Riich – eine kleine Wanderung durch Ländereien der Träume und Begebenheiten

Neue EP: Fröhlechi Wähnacht

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Muur

Gnue

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I Accept

(im Video heissen wir noch SEWN und singen englisch)

Riich – solo und akustisch

Huutperfektion

Fang a uf Eis – Eis Zwöi Drü Vier
Fang a uf Eis! – Esch das das was öbrig blibt
Imne See, gmacht us Staub … Mmmmmh … de Groch vo Laub
Sogar dSonne am Morge – esch – Staub

Was du verlosch – Was verlosch esch ned verlore
Ond was du machsch – Was du machsch esch ned guet gnue

Sie goht ad Bar ond nemmt en Schlock
 Sie luegt noch lenggs ond är a Rock
das Zettre vom letzte Versuech
ond rächts dräihed ddräihtöre
erfend din natürlech Look, verlo dis siiii
Huutperfektion
all die Schibene wo do omelaufed
alli erfonde us Trägheit ond alli voll das vo a bes

das Zettere ondedra
all die Gedanke abeschlöcke
sChrüz ond sDrüegg
laufed Chreis om Chreis
doruf, höcher, höcher
doch was blibt wenns zergheit
omgheit ond abverheit
ergendwo verleit
wenn doch ewigs nüt doch alles esch

Was du verlosch – Was verlosch esch ned verlore
Ond was du machsch – Was du machsch esch ned guet gnue
wie dBletter legged ond de Schnee graut

Diesen Text schrieb ich im Zug von Zürich nach Hause. Auf dem Tischchen lag eine Glanzpapierzeitschrift mit MakeUp- Tipps. Ich bin meist ungeschminkt, ich sehe einfach nicht genügend Sinn darin, mich im Alltag, jeden Morgen, anzumalen. Dafür sind die Morgen zu streng und das Geschminke zu repetitiv. Doch auch ich verfalle stark dem Glauben, mich verstellen zu müssen, um von anderen Menschen angenommen zu werden. Ich hatte mit meiner Schwester telefoniert und sie war wütend auf mich, ich verstand nicht, warum ich schon wieder was falsch gemacht hatte. Darum der Refrain. Ich wollte alles richtig machen und machte damit alles falsch. Bin ich wirklich so dumm? Muss das so schmerzen? Bei den anderen sieht es so leicht aus. Arbeiten gehen, Freunde treffen, Essen essen, Kleidung anziehen, schminken, zugfahren … ich war ratlos und wusste nicht wie weiter. Heim schlafen gehen hilft da meist auch sehr gut. Oder eben … ein Lied darüber schreiben, um meine Erfahrungen zu untersuchen und für andere erfahrbar machen.

Abflog

Ha vell döregstande wenn de Tag ufhört ond wener afoht
ha vell döregstande ond meine das ärnst wie kei Melch zom zMorge
wie Sache horte, Meinige rote ond ech ha so vell Sorge
ech bruche chli Wasser i mis Gsecht

Ha vell döregstande wenn de Tag ufhört ond wener afoht
ha vell döregstande ond meine das ärnst wie zvell Ässe gässe
wie Werther läse, Schwanzlengi mässe, mis Härz mags ned verbäse
ech bruche chli Wasser i mis Gsecht

Abflog
hochnäsig kei Loft me
ech gseh mi niene me

Ha vell döregstande wenn de Tag ufhört ond wener afoht
ha vell döregstande ond meine das ärnst wie e langwiilige Obe
Nüt chont im Färnseh, ganz Youtube hani gseh ech bruche es Tassli Tee
Ond chli Wasser i mis Gsecht

Dies ist mein erster Song. Ich war wütend über mich selbst, über mein Selbstmitleid, und versuchte dies mit etwas Witz zu verarbeiten. Um wieder Boden zu finden. Der Song ist noch immer relevant für mich. Noch immer verliere ich leicht den Boden, werde frustriert, obwohl es mir doch eigentlich so gut geht und ich sehr dankbar sein könnte. Noch immer sorge ich mich zu viel, sehe ich manchmal einfach keinen Sinn im Leben, werde ich allem überdrüssig. Doch diese Momente werden seltener und wenn sie geschehen, dann kann ich inzwischen doch meist gut damit umgehen.

Aggressione

Aggressione
i mim Härz
wänd use
ond explodiere
ond denn seisch du weder us dem Gscherr wettemer no ässe
ond denn seisch du weder dini Bagge tät der weh
doch ech säge der
das esch nor es Gfühl
ond du seisch doch emmer uf die settemer lose

Aggressione
scho weder zschpot
de Bus fahrt zfrüe
mini Nase blibt ned sto
Jo was söll die Scheisse
das esch doch ned möglech
die Scheckse wendet sech wiene Aal
doch das esch Zuefall
emmer weder
ech ha das im Gefühl
doch vo dem wett ech grad werkli nüme ghöre

Meine Idee war es, das Wiegen eines Jahrmarktsongs in ein böses Lied zu verpacken. Ursprünglich entstand es am Klavier mit der typischen Spielweise, bumtätä, bumtätä. An der Gitarre nun habe ich diesen Widerspruch so übersetzt, dass ich die Saiten sanft zupfe, aber mit einer spürbaren, unterdrückten Wut singe. Es geht um häusliche Gewalt, die scheinbar in Ordnung ist, wird dann aber nachvollziehbarer im Scheitern an alltäglichen Dingen. Und die Unfähigkeit, sich seinen Emotionen zu stellen, sie darum zu verdrängen bis sie explodieren, stelle ich so dar. Und dass das vielleicht nicht der beste Weg ist.

Glasschueh

Ond alles, wasd beförchtisch
esch es wiiters paar Glasschueh
genau de wennt di entscheidisch ufzstoh
also bhaltisch di deckt ond böckt

Es dönkle i di tüfsti
 eidimensionali oberflächespannig
srote tropft ond sprötzt
es schemmeret, schummeret

Zwackt ond packt, aaghalte ond alles gfalte
e frömdi Maschinerie öbernemmt sStüür
ond der werd klar grad nochär
genau wie während, erdoldend
onveränderend, aagmacht
nüt meh

Näbe der besch du versteckt ond sooo wiit vorus
so präsentiert ond roh
ond de Vorhang fallt

mmmmmmh

En verschwommni Gränze
wer spelt, wer esch wahr
ech froge, ech rüefe
esch das alles en Traum

Für eine Weile hatte ich mit Panikattaken zu tun und darum geht es in diesem Lied. Ausgelöst werden sie bei mir durch Menschenmengen. Fasnacht, natürlich, oder auch einfach ein gemütliches Beizli … wenn ich mich zu sehr für die Menschen öffne, dann spüre ich sie stark in mir drin, werde sie, oder was ich mir einbilde, was sie sind, und da ist viel Frustration und Unnettigkeit im Umgang miteinander. Dummerweise fokussiere ich mich auf diese negativen Erscheinungen und bekomme ab einem gewissen Punkt unglaubliche Angst davor, selbst wiederum in den Fokus dieser negativen Ausschüttungen der Menschen zu gelangen. Ab dem Punkt brauche ich eine Weile, wieder rational zu werden. Am besten hilft Schlaf.

Gnue

Staub so wiit ewäg vo mer
Staub ganz nöch bi der
Staub öberem Bett
ond Grau nemmt alles i

gang wiiter, gang wiiter
das eschs eleige Lied

ond ide Nacht e riise Lärm
ned so vell, nor ei Schlock
ond de Muur entlang
dHöchi, dHöchi esch gange

gang wiiter, gang wiiter
das eschs eleige Lied

zvell – ned gnue
zvell – ned gnue
zvell – ned gnue
zvell – ned gnue

sesch emmer sGliiche
i dim Herni
so vell Verlange
so vell Mangel

sesch emmer sGliiche
metem Härzschlag
so vell Bluet ond
Öberschallschlo

ond weder hesch du dänkt
 die Wonde gäng tüüf
tüüfer als dä Ort wos di änezieht

gang wiiter, wiiter, wiiter
de Gleis entlang wiiter ond wiiter

ond de Lärm
de Lärm de Lärm
de Lärm
de Lärm get kei Rueh au wenne betöibe tue

Dieser Song ist vom Rhythmus her jazzig, inhaltlich geht es darum, irgendwie immer wieder unzufrieden alleine dazustehen. Jazz ist für mich, und da bin ich sehr beschränkt denkend, ich weiss, aber es ist für mich einfach der Stil der am meisten miserabel kopiert wird. Für mich hat der flachste Pop mehr Herz drin als der gewöhnlich schulisch repetierte Jazz. Jamsessions haben es mir wieder und wieder bewiesen und mich wieder und wieder sehr wütend gemacht. Für mich geht es für alle darum, sein eigenes Genie zu werden. Nicht darum, technisch perfekt nachzuäffen, um anderen zu gefallen. Obwohl wir alle einander abschauen und keine Idee neu ist, so finde ich, ist es doch essentiell das Erfahrene durch sich selbst bewusst UND intuitiv durchzulassen und dann auszudrücken. Das ist der Moment, wo es relevant wird.
Im Text beschreibe ich meine Wahrnehmungen kurz nachdem mein damaliger Freund unsere Beziehung beendet hatte. Ich wollte wieder zurück, obwohl mir klar war, dass wir keine gesunde Beziehung mehr zueinander hatten. Mit dem Lied ermutigte ich mich immer wieder dazu, abzuschliessen und weiter zu gehen. Und sang mir zu, dass es in Ordnung ist, wenn ich das grad nicht so elegant löse, mit Alkohol, Selbstbeleidigung, Beziehungsfrust zu ALLEN Menschen … so lange ich gleichzeitig aber wirklich weiter gehe und wieder positiv werde.

Wir spielen gerne live, seit vielen Jahren in immer wieder neuen Formationen

Kontakt: live@riich.ch